Isländischer
Literatur
Snorri Sturluson
Eine besondere Bedeutung in
der mittelalterlichen
isländischen Literatur kommt
Snorri Sturluson zu. Geboren 1178
als Häuptlingssohn der
Sturlunger und 1241 ermordet. Er
war als Politiker in die
chaotischen Machtkämpfe des
13. Jh. verwickelt, die zum
Verlust der Unabhängigkeit
Islands führten. Snorris
Leistungen als Gelehrter und
Literat sind von
größerer
Bedeutung.
Snorri
Sturluson stammt von
berühmten isländischen
Skalden Egill
Skallagrímsson,
Markús Skeggjason und
Einar Skúlason ab und war
selbst schon in seiner Jugend
für seine dichterischen
Leistungen
bekannt.
Quelle: Rudolf Simek/ Hermann
Pálsson: Lexikon der
altnordischen Literatur.
Stuttgart, 1987. S. 326.
Er verfaßte viele
Gedichte von denen aber leider
nur Háttatal
(entstanden 1222-3)
vollständig (zusammen mit
einem ausführlichen
Kommentar als Teil seiner Edda)
erhalten ist.
Sein
bedeutendstes Werk, die sog.
Snorra-Edda, dient sowohl als
Dichterhandbuch, als auch als
Einführung in die heidnische
germanische Mythologie. Snorri
war aber nicht nur ein begabter
Dichter, sondern ein eifriger und
kritischer Historiker. Er schrieb
sowohl eine Ólafs saga
helga, als auch eine umfangreiche
Geschichte der norwegischen
Könige, die Heimskringla.
Obwohl die Handschriften dies
nicht erwähnen, wird Snorri
heute allgemein als Verfasser der
Egils saga
Skallagrímssonar
angesehen.
Quelle: Rudolf Simek/ Hermann
Pálsson: Lexikon der
altnordischen Literatur.
Stuttgart, 1987. S. 326f.
Die Snorra-Edda besteht
aus vier Teilen: Prolog,
Gylfaginning (die Verblendung des
Gylfis),
Skáldskaparmál
(dichterische Ausdrucksweise) und
Háttatal (Typen des
Versmaßes).
Háttatal ist ein
Lobgedicht auf König
Hákon Hákonarson
und seines Grafen Skúli.
Es hat zwar nur eine Länge
von 102 Strophen, doch das
bedeutende an ihm ist, daß
es in 100 verschiedenen
Versmaßen verfaßt
ist. Es ist so insgesamt eine
beeindruckende Demonstration der
metrischen Regeln der alten
skaldischen Dichtkunst. Der Teil
Skáldskaparmál
beschreibt die Ausdrucksweise der
skaldischen Dichtung. Durch die
schwierigen Regeln der Dichtung
wird ein immenser Wortschatz
benötigt.
Anders als bei anderen
mittelalterlichen Sagas ist die
Heimskringla keine
Aufzählung von historischen
Fakten. Sie ist ein Wendepunkt,
sowohl in der
Geschichtsschreibung, als auch in
der Literatur, da in ihr
erstmalig zusammenhängende
Berichte als Stilmittel
eingesetzt werden und dem Leser
so die historischen Prozesse mit
ihren Zusammenhängen
verdeutlicht werden. Die Neuerung
der Heimskringla ist also
die erzählerische,
romanartige Bearbeitung des
Stoffes. Snorris hervorragendes
schriftstellerisches Talent kommt
besonders zur Geltung und sein
Erzählstil hatte einen
wesentlichen Einfluß auf
die literarische Entwicklung und
das nationale Bewußtsein in
Norwegen und Island.
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