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Land
& Leute
Die
Isländer
Zweckoptimismus
und Winterdepression
Die
Isländer kommen ohne
kollektive
Gefühlsaufwallungen nicht
aus - sagte ein Isländer,
der es wissen muß. Sie sind
alle solidarisch, wenn eine
Naturkatastrophe eintritt, sei es
Vulkanausbruch oder Lawine, Flut
oder Wettersturz. Sie sind alle
streitbar, wenn sie den Eindruck
haben, jemand von außen
mischt sich in ihre nationalen
Angelegenheiten ein. Die
allermeisten geben sich restlos
ihrer Heimat hin, wenn am 17.
Juni, dem Nationalfeiertag,
Umzüge stattfinden und Reden
gehalten werden. Alle sind
optimistisch, wenn die
Zugvögel zurückkommen
(das ist schließlich einer
der Beweise für die
Attraktivität der Insel; die
Küstenseeschwalben z.B.
fliegen von der Antarktis in den
hohen Norden, um in Island zu
brüten). Aber mit der
Winterdunkelheit greift der
Pessimimus um sich. So manche
Lebensfreude versiegt. Nein,
nicht ganz: Sie droht zu
versiegen.
Und
deshalb stürzen sich alle,
oder jedenfalls die allermeisten,
ins Gewühl und ins
Vergnügen. Die Geselligkeit
blüht. Zunächst werden
allerhand Jahresfeste begangen:
Betriebsfeste, feierliche
Vereinstreffen,
Glühweinabende mit Freunden
oder Kollegen. Das erstreckt sich
vom spürbaren Beginn der
Dunkelheit im November bis zur
Weihnachtszeit. Weihnachten
dagegen ist in Island ein
striktes Familienfest. Erst in
den letzten Jahren wagen es
einige wenige Restaurants zu
öffnen; strenge Regelungen
schränken
Kinovorführungen,
Tanzveranstaltungen und andere
Vergnügungen über die
Festtage ein. Nicht einmal die
Linienbusse von einem Landesteil
zum anderen verkehren
fahrplanmäßig, sondern
stehen einfach still. Nach der
besinnlichen Zeit, die zu
Silvester mit
überschwänglichem
Feuerwerk endet, ruht das
gesellige Leben vorerst, die
Angst vor der Depression aber
nicht.
Diese
Angst war wohl immer vorhanden.
Deshalb feierte man auch
früher schon
Thorrablót, das
Winterfest, wenn im alten Monat
Thorri, heutzutage etwa im
Februar, die gehüteten
Vorräte angebrochen wurden.
Dann kam alles auf den Tisch, was
geräuchert im Kamin oder
gesäuert und eingesalzen in
Holzfässern überdauert
hatte. Heute werden diese
traditionellen Speisen extra
für die Festlichkeiten
zubereitet und stoßen bei
Isländern der älteren
Generation und folkloristisch
Interessierten auf ungeteilte
Freude, bei anderen aber auf
Ablehnung - schließlich
entsprechen sie weder im Aussehen
noch im Geschmack modernen
Ernährungskonzepten. Dennoch
vereinen sich Freunde des
Thorri-Essens, isl.
þorramatur, mit den
Zweiflern zu den Festlichkeiten.
Diese sind entweder auf die
Bewohner einer bestimmten Region
lokal begrenzt oder anderswie
organisiert, z.B. für
Freundeskreise, Vereine,
Verbände, und nicht zuletzt
werden die historischen
Spezialitäten auch in
einigen Restaurants angeboten.
Isländer, die im Ausland
leben, kommen ohne ihr
Thorri-Essen nicht zurecht und
schlucken schwer am Verlust, wenn
die eine oder andere Zoll- oder
Gesundheitsbehörde (wie z.B.
in Dänemark geschehen) die
Einfuhr der Speisen
unterbindet.
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©
1997-2000 Gudrun-M.H.
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Backwaren kauft man beim
bakarí, Fleisch
in der
kjötbú und
Süssigkeiten inder
Sælgætisbúð.
Hákarl ist
(k)eine isländische
Spezialität,
allerdings schmeckt
fermentierter Hai nicht
jedem.
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