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Man könnte fast
glauben, daß
Interessantes auf Island
nur an der Küste zu
finden ist. Alle Orte
und praktisch alle
Strassen führen
mehr oder minder nur der
Küste entlang.
Schlägt man nun
einen Reiseführer
auf, so findet man nach
all der Kultur und
Ortbeschreibungen auf
den zumeist hinteren
Seiten auch ein
Hochland-Kapitel.
In diesen Texten tut
sich nun eine mystische
Landschaft vor dem Auge
des Lesers auf: Riesige
Lava- und
Bimssteinwüsten, in
deren lebensfeindlicher
Umgebung früher
Geächtete ihr
Unwesen treiben; Reiter,
welche auf der
Sprengisandur ihre
Pferde antreiben um vor
der Nacht heil in einer
Oase anzukommen...
Die Beschreibungen in
all den
Reiseführern
können jedoch kaum
die Faszination
wiederspiegeln, die
einem in dieser
großartigen
Landschaft
befällt.
Wie kann man nun
diese Landschaft auf
einem Islandtrip selber
erfahren? Je nach
persönlicher
Vorliebe gibt es hierzu
mehrere
Möglichkeiten:
a) per Bus: Es gibt
im Sommer
regelmäßige
Verbindungen zu der
Thorsmörk und nach
Landmannalaugar im
Süden und zur
Herdubreidalindar und
Askia im Norden.
Entsprechende Angebote
findet man z.B. im
Reykjaviker Busbahnhof.
Diese Art zu Reisen hat
seine Vorzüge: Man
kann sich z.B. an den
Ausgangspunkt einer
Wanderung bringen lassen
(ein berühmtes
Beispiel ist der Trip
von Landmannalaugar
über die
Thorsmörk bis nach
Skogar) und nicht zu
vergessen - die
Busfahrer verstehen ihr
Geschäft,
Flußdurchfurtungen
beispielsweise sind
für diese Alltag -
so manchen autobahn-
verwöhnten
tiefergelegten
Asphaltpiloten bringt
dagegen hierzulande ja
schon eine Baustelle an
den Rand fahrerischen
Könnens. Ein
Nachteil darf man nicht
vergessen: Obwohl die
Busse bei den
klassischen
Sightseeingpoints zum
Fotografieren halten,
holt einen nach kurzer
Zeit die Hupe wieder
zurück in die
Wirklichkeit bzw. in den
Bus zurück!
b) per
Mietgeländewagen:
Nicht die einfachste,
aber durchaus eine der
effektivsten Art und
Weisen Geld auszugeben.
1999 kostete ein
2wöchiger Trip in
der Nebensaison (Mitte
September) mit einem
Toyota Hilux z.B. DM
4000.- (inkl.
CDW-Versicherung und
ohne
Kilometer-Begrenzung).
Die Preise in der
Hauptsaison
(Juli-August)
können durchaus
noch mehr den
Schluckreflex
auslösen - je nach
Autotyp und Mietdauer
wechslen da täglich
DM 700.- den Besitzer.
Wer jetzt eine
Mietwagenfirma auf
Island aufbauen will sei
gewarnt: Es besteht eine
nachvollziehbare
Beziehung zwischen den
Mietpreisen und dem
Zustand der Wege auf
denen diese Autos bewegt
werden. Wer jedoch sein
heißgeliebetes und
scheckheftgepflegtes
Allrad-Vehikel per
Smyril-Line nach
Seydisfjördur
verfrachten und auf
Island endlich die
große Freiheit
erleben möchte,
sieht nach seiner
Rückkehr neue
Beulen und
Steinschlagschäden
wesentlich
gelassener.
c) per pedes: Mit die
schönste
Möglichkeit eine
Landschaft zu erfahren.
Die Geschwindigkeit
eines
Fußgängers
erlaubt es Details der
Landschaft zu erkennen,
die ein Autofahrer nie
bemerken würde. Das
isländische
Hochland zeigt aber
gerade einem Wanderer
seine Grenzen auf: In
diesen edaphischen
Wüsten versickert
der Regen fast spurlos
im Untergrund, nur an
wenigen Orten findet man
richtige Oasen mit
Wasser und ein wenig
Vegetation.
Sandstürme sieht
man deutlich gelassener,
wenn es "nur" den
Autolack wegraspelt und
nicht das Zelt oder die
Sommerbräune. Und
die Aussicht in
reissendem, knietiefen
und vor allem eiskaltem
Wasser einen Fluß
zu durchqueren zieht
auch nicht alle vom
Sofa. Kurz gesagt man
sollte seine Grenzen
sehr genau kennen und
eine nicht unerhebliche
Leidensfähigkeit
besitzen, wird aber
schwerlich eine solche
Reise wieder vergessen
können.
d) per Rad: Vieles zu
den Wanderern Gesagtes
gilt auch für
Radfahrer. Ich kann man
noch sehr gut an die
Gesichter von zwei
Radfahrern erinnern,
welche vor einigen
Jahren uns in
Hveravellir intensiv
nach einer
Mitfahrgelegenheit
befragten. Der Wind tags
zuvor hatte die halbe
Geologie Richtung Osten
bewegt, die Nacht
brachte mit unter
-8°C
zentimeter-dickes Eis
auf die Wasserlachen und
der nächste Morgen
sah auch nicht nach
purem Vergnügen
aus. Trotzdem sei
Interessierten die
Lektüre von
Christian E. Hannig's
"Island - Vulkane, Eis
und Einsamkeit"
empfohlen .
Egal welche
Reisemethode man nun
bevorzugt, sollte man
einige Regeln nicht
vergessen:
Trotz der Bezeichnung
"Wüste" hat man es
mit einer sehr
empfindlichen Landschaft
zu tun. Die Spuren,
welche die von der
Camel-Trophy verleiteten
Allrad-Rambos
hinterlassen, verbleiben
für Jahre in der
Landschaft und geben den
häufig tobenden
Stürmen nur einen
guten Ansatzpunkt -
Winderosion scheint auf
Island erfunden worden
zu sein. Noch sind es
relativ wenige
Touristen, welche das
isländische
Hochland besuchen. Die
Probleme werden jedoch
mit der Anzahl der
Besucher nur deutlicher
werden - hierbei hat es
aber jeder einzelne
selber in der Hand sich
entsprechend zu
verhalten und dem
Begriff "sanfter
Tourismus" Bedeutung zu
geben. Wer die
Landschaft auf eigene
Faust erleben
möchte, sollte auch
Vorsichtsmaßnahmen
für sich
einkalkulieren. Der
Begriff Wüste hat
seine Berechtigung -
nicht überall
findet man trinkbares
Wasser und von der
Engelwurz in manchen
Oasen konnten
früher auch nur
Geächtete satt
werden, McFastFood gibts
hier nicht und
Brücken findet man
im Hochland eher selten,
die Flüsse wollen
gefurtet sein. Seit
einigen tragischen
Unfällen gibt es an
vielen bedeutenderen
Furten ganz nette
Warnschilder: Auch wenn
man über den
freundlich gemeinten
Hinweis lachen mag -
warme Kleidung in
leuchtenden Farben zu
tragen - die Gewalt
eines Flußes kann
nach einem starken
Regenguß auch
schwere
Geländewagen
umwerfen. Daß
diese Flüße
dazu noch eiskalt sind
ist dann nur
nebensächlich von
Bedeutung. Das gelinde
gesagt "bunte" Wetter
Islands bringt im
Hochland schnell
Spannung ins Leben: Nach
einem Regenguß ist
so mancher vorher bei
der Durchfurtung
belächelte kleine
Bach plötzlich ein
reißender
Fluß geworden, bei
dem man das beliebte
Spiel "Geht! Geht
nicht?" spielen kann.
Schnee darf einem da im
August auch nicht
stören... Kurz,
eine gewisse Portion
Vorsicht ist par tous
nicht
überflüssig,
sondern konkret
lebensnotwendig, vor
allem wenn man sich in
der Nebensaison durch
völlig vereinsamte
Landschaften wagt.
Belohnt wird man mit der
unheilbaren Infektion
mit dem Hochlandvirus.
Sprüchen von
Freunden wie "Schon
wieder zum Nordpol?"
können einen dann
nicht mehr
berühren.
Zwei Touren
möchte ich an
dieser Stelle
vorstellen, welche wir
im Herbst 1999
abgefahren haben.
Routenbeschreibung:
1.
Route:
Jökulls a Bru -
Askja -
Herdubreidalindir -
Ringstrasse
2.
Route:
Kjölur
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